Keine Lust, Baby!

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© Javier Mayoral

Die gute alte Libido. Nicht selten lässt sie uns im Stich. Doch wieso haben Menschen eigentlich manchmal keine Lust auf Sex mit ihrem Partner, empfinden es als Bürde oder unzumutbare Anstrengung? Und was, wenn das nicht mehr nur ein temporärer Zustand bleibt, sondern sozusagen zu einem chronischen Leiden wird?
Vor allem Frauen mit ihren altbekannten “Kopfschmerzen” und der ewigen “Müdigkeit” wird häufige Unlust nachgesagt. Es gibt Studien die zeigen, dass in Deutschland rund 40% der 30- bis 45-jährigen Frauen die Libido abhanden gekommen ist. Doch eingeschränkte Liebeslust betrifft nicht nur Frauen, denn man hört auch immer öfter von Männern, die keine Lust auf Sex haben.

Ich habe schon häufig erwähnt, dass guter Sex und eine ausgeglichene Libido sich positiv auf die Lebensqualität auswirken können. Menschen, die ein eingeschränktes sexuelles Verlangen erfahren, fühlen sich häufig zusätzlich müde, antriebslos und irgendwie traurig. Man kann also schnell in einen Teufelskreis geraten: Keine Lust – schlechtes Allgemeinbefinden – noch weniger Lust – gleichbleibendes oder verschlechtertes Allgemeinbefinden… Den Anfang zu machen und wieder rein in die sexuelle Regelmäßigkeit ohne besonderen Zwang zu finden, ist dann sehr schwierig.

Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Gründe dafür, warum Menschen keine Lust mehr auf Sex haben. Körperliche, psychische oder auch partnerschaftliche Ursachen können hier eine Rolle spielen.

Die Pille als Hauptlustkiller?
Das verminderte sexuelle Verlangen von Frauen ist sehr häufig hormonell bedingt. Bei jüngeren Frauen kann es dazu kommen, dass das durch die Einnahme der Pille veränderte Verhältnis von männlichen und weiblichen Hormonen im Körper zu einer verminderten Libido führt (steht ja auch in jedem Beipackzettel, falls den noch jemand liest…). Die Pille wirkt also in zweiter Linie so sicher verhütend, weil die die sie nehmen einfach keinen Sex mehr haben möchten. Eine Studie an der Boston University ergab 2005, dass es mit dem sexuellen Verlangen in manchen Fällen auch nach dem Absetzen der Pille nicht wieder aufwärts geht. Wenn eine Frau also weiß, dass sie sehr empfindlich auf hormonelle Beeinflussungen reagiert, sollte sie sich die Einnahme der Pille – der Libido zu Liebe – gründlich überlegen.
Bei Frauen in den Wechseljahren oder nach einer Operation an den entsprechenden Organen (z.B. den Eierstöcken) gerät das Verhältnis von männlichen und weiblichen Hormonen auf natürliche Weise ins Wanken und kann den gleichen Effekt haben.

Chemische Substanzen – Sie sind überall
Es gibt außerdem auch jede Menge Stoffe, mit denen wir tagtäglich in Kontakt geraten, die sich ebenfalls störend auf das Hormongleichgewicht auswirken können. Dazu gehören die mittlerweile sehr oft diskutierten Plastik-Weichmacher (Phthalate). Viele Hersteller werben zwar damit, dass ihre Produkte frei von diesen Substanzen sind. Für ungefährlich halte ich diese Produkte dennoch nicht, denn man kann davon ausgehen, dass sie andere schädliche Stoffe enthalten, die nur noch nicht so stark in der Diskussion sind.
Darüber hinaus können sich auch Insektizide und Herbizide, die in unseren Lebensmitteln vorkommen, verändernd auf unseren Hormonhaushalt und damit auch auf unser Sexualverhalten auswirken.

Elektrosmog verpestet das Schlafzimmer
Immer wieder gern als Sündenbock für jegliche körperliche oder psychische Probleme herangezogen: die elektromagnetische Strahlung. Unser Haushalt funktioniert durch Strom, wir haben überall Telefon- und Handynetz und werden nicht nur von uns selbst, sondern zusätzlich von unseren Nachbarn durch WLAN verstrahlt. Man kann sich davor eigentlich kaum retten, außer man lebt hoch oben auf einem Berg, weit und breit kein weiteres Haus. Aber am Ende findet man auch auf dem letzten Berg noch einen T-Mobile-Pfeiler und zumindest einen Strommast! Das Problem bekommt dann die Schilddrüse (und die haben Männer sowie Frauen), denn sie reagiert sehr empfindlich auf Elektrosmog. Sie ist eines der wichtigsten Organe, geht es um die Verteilung und Ausschüttung von Hormonen. Ist sie in ihrer Funktion gestört, so ist auch der Hormonhaushalt gestört, was sich auf die Sexualität auswirken kann.

Wir sind alle unterschiedlich
Neben den durch Umwelteinflüsse und Medizin verursachten Gründen für sexuelle Lustlosigkeit kann natürlich auch einfach ein Unterschied der Lustintensität bei den Partnern herrschen. Also dass einer von beiden mehr Lust empfindet als der Andere. Das ist gar keine Seltenheit! Derjenige, der mit weniger Sex glücklich wäre, fühlt sich von seinem Partner vielleicht unter Druck gesetzt oder hat Verlustängste. Dadurch steigert sich die Unlust nur noch mehr und kann zum richtigen Widerwillen werden. Das ist Gift für die Beziehung und so weit sollte es lieber gar nicht kommen. In diesem Fall sollten beide aufeinander eingehen, die Wünsche und Bedürfnisse des Anderen akzeptieren und berücksichtigen. Derjenige, der gerade keinen Sex will, könnte sich überlegen, wie er dem Anderen ohne Sex Zärtlichkeit entgegen bringt, anstatt sich völlig zu verschließen. Über Lustankurbler nachzudenken wäre auch eine Maßnahme, um dem Lustvolleren etwas entgegen zu kommen. Und ebendieser sollte auch mal zurückstecken können ohne sich gleich vernachlässigt oder ungeliebt zu fühlen oder gar vorwurfsvoll zu reagieren. Das offene Gespräch zwischen den Partnern ist hierbei, wie immer, essentiell für eine gute und ausgeglichene Sexualität.

Ich glaube außerdem, dass der Stress und Druck, dem Männer sowie Frauen in Alltag, Studium und Beruf ausgesetzt sind, sich auf die Libido auswirkt. Man hat wenig Zeit für Zärtlichkeiten und Sex, wahrscheinlich auch seltener den Kopf dazu, da man viele der Belastungen mit nach Hause nimmt. Und dann passt es noch in das Leistungsdenken, das ständige Abliefern-Müssen, dass man sich nicht erlaubt, mal keine Lust auf Sex zu haben. So steigt auch in diesem intimen und privaten Bereich, der Vertrauen, Nähe und auch eine gewisse Gelassenheit voraussetzt, der Druck. Kein Wunder, dass es irgendwann zu viel wird!

Was tun?
Als Allererstes: Locker bleiben! Sich bloß keinen Druck machen (lassen).
Möchte man sich gegen die unausweichlichen Unlust bringenden äußeren Einflüsse aus der Umwelt zur Wehr setzen, so gibt es tatsächlich einige Mittel und Wege, ihnen zumindest entgegen zu wirken.
Wie immer der typische Rat: Sport und ausgewogene Ernährung. Körperliche Betätigung führt zur Ausschüttung von Hormonen, die neben dem Selbstbewusstsein auch die Libido steigern. Bestimmte Nahrungsmittel sollten lieber nicht in zu großen Mengen vertilgt werden, da sie lustmindern wirken können. Dazu gehören z.B. einfache Kohlenhydrate (in sehr süßen Lebensmitteln wie Schokolade o.ä. enthalten), Soja (sorry, ihr lieben Veganer…) und Weizen.
Man sollte sich in jedem Fall bemühen, mithilfe von Sport, Ernährung oder auch bestimmten Kuren, seinen Stoffwechsel zu fördern und dadurch die Ausleitung der Gifte verbessern. Besonders hip ist das Thema Detox zur Zeit nicht umsonst. Es kann scheinbar also, neben dem Darm und dem restlichen Organismus auch unser Sexleben auf Vordermann bringen. Die Bewegung sollte dann am besten auch an der frischen Luft erfolgen, damit genug Tageslicht getankt werden kann, was sich ebenfalls positiv auf das (Liebes-)leben auswirkt.
Wer soweit gehen kann nicht andauernd an seinem Flatrate-Handy zu hängen, sollte seine mobilen Telefonate reduzieren und zumindest nachts WLAN und alles drum herum abschalten. Vielleicht sollte man das Schlafzimmer ohnehin zur elektrofreien Zone erklären. Schluss mit nervigen Klingeltönen, weil besoffene Freundinnen mitten in der Nacht meinen anrufen zu müssen, und Kerzen sind doch auch viel romantischer als Lampen…

Du hast Erfahrungen mit Lustlosigkeit, luststeigernden Lebenswandeln oder eine Meinung dazu? Sag’s in einem Kommentar oder per Mail.


Zum Nachlesen:
Joe Romanski: Mehr Frust als Lust? In: Yoga aktuell No. 88, 2014.

Mit Dank für das Titelbild: © Javier Mayoral

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