Stellungen – der Mut zum Ausprobieren (Teil 1)

Allgemein / Lust
© Manolo Polvoron

Er oben, sie unten. Der Klassiker: die Missionarsstellung. Eigentlich ist gegen sie auch nichts einzuwenden, denn sie funktioniert gut. Der Penis, ganz egal welche Größe er hat, gelangt sehr tief in die Vagina und zusätzlich kann durch Reibung die Klitoris stimuliert werden. Der Mann kann das Tempo bestimmen, kann langsamer machen damit er nicht zu schnell kommt. Die Annahme, die Missionarsstellung nehme nicht genug Rücksicht auf die Frau oder dominiere sie, ist absurd. Denn die Frau kann sich, vorausgesetzt sie ist keine faule Socke, mit bewegen, kann die Beine beispielsweise aufstellen und dem Mann entgegen stoßen, und hat damit auch Einfluss auf Tempo und Intensität. Es ist, wie immer beim Sex, eine Sache der Kommunikation und des aufeinander Eingehens, ob die oft als “einfallslos” bezeichnete und “alten Ehepaaren” zugeordnete Missionarsstellung beiden zu richtig guten Orgasmen verhilft.
Dennoch, hin und wieder packt einen die Abenteuerlust oder die Angst, man sei nicht experimentierfreudig genug, oder einfach nur der Wunsch, sein Sexleben aufzufrischen, gemeinsam etwas Neues zu erleben. Und wer weiß, vielleicht findet man dabei ja auch seine neue Lieblings-Stellung!

Aus der BRAVO kennen wir von früher noch die Seiten, auf denen verschiedene Sexstellungen genannt, beschrieben und nachgestellt wurden. Damals war das alles noch so fern, man konnte froh sein, wenn man überhaupt mal einen Kuss bekam, vielleicht beim Flaschendrehen. Sex oder zumindest verschiedene Stellungen gemeinsam ausprobieren – unvorstellbar. Als Teenie ist man noch viel zu unsicher mit seinem Körper, hat Angst etwas falsch zu machen oder komisch auszusehen und nimmt das Thema Sex noch viel zu ernst, ohne wirklich mit dem Partner darüber sprechen zu können. Vielen geht es sicher Mitte/Ende 20 immer noch ähnlich. Trotzdem sind die meisten in diesem Alter schon erfahrener, haben sich mit ihrem jetzt fertigen Körper arrangiert oder ihn dorthin gebracht wo sie ihn gern haben wollten.

Die meisten, die regelmäßig Sex haben, werden auch regelmäßig die gleiche Stellung oder einen ähnlichen Ablauf wählen, da sie damit gute Erfahrungen gemacht haben. Das leuchtet ein. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er verlangt nach Ritualen oder Wiederholung. Das sieht man schon im Alltag, z.B. welche Strecken wir gerne mit dem Hund Gassi gehen oder in welchem Café wir täglich einen Kaffee trinken oder das Jahr für Jahr gleiche Urlaubsziel. Immer wieder etwas Neues wäre uns wahrscheinlich auf Dauer viel zu viel. Eine gewisse Reizüberflutung die Folge, die zu totalem Ausfall führen könnte, sodass man irgendwann gar nicht mehr weiß, was einem gefällt und was einem gut tut.

Aber beim Sex hin und wieder etwas Neues auszuprobieren, macht Sinn. Schließlich besucht man zwischendurch auch mal ein anderes Café und schaut, ob der Kaffee dort genau so gut ist, oder man fährt mit dem Hund ganz woanders hin – für die Abwechslung, um mal auszubrechen. Dagegen ist nichts zu sagen. Nur geht man gleich auf’s Ganze und versucht sich an kamasutrischen Verrenkungen, die nur ein Gummi-Mensch oder Yoga-Mönch verwirklichen kann? Reichen für die Abwechslung im Bett nicht realisierbare, etwas zurückhaltendere Stellungen, die auch wirklich erfolgversprechend für beide Seiten sind?

Abhängig von der eigenen Fitness, Gelenkigkeit und Muskelkraft, muss man sehen, welche Stellung passen könnte. Denn wer will schon hilflos in der Schubkarre hängen und nur noch denken “Hoffentlich kann ich mich noch lang genug halten, meine Arme tun so weh…”?! Befriedigung = Null… Beim Experimentieren mit Stellungen sollte der Spaß an der Sache vordergründig sein. Es sollte nicht in einen Marathon ausarten, bei dem man versucht, möglichst häufig zwischen den Stellungen zu wechseln. Lieber verbleibt man eine Weile in einer Stellung und sieht, wie sie einem gefällt. Sollte sie nicht so passend sein, kann man noch einmal wechseln. Aber alles schnell mal durchzuhecheln ist Blödsinn! Man sollte nicht alles so ernst nehmen und sich auch erlauben, darüber zu lachen, was man da gerade macht. Und auch zu sagen, wenn einem das gar nicht gefällt oder gar weh tut!

Kommen wir zur ersten Stellung, die ausprobierwürdig ist…

© Manolo Polvoron

© Manolo Polvoron

Wenn die Frau starke Oberschenkel hat, dann kann das Paar die recht bekannte und beliebte Reiterstellung ausprobieren. Sie ist gut realisierbar und bedarf keiner besonderen Gelenkigkeit. Hier hat der Mann eher weniger zu tun, außer zu schauen. Die Frau sollte dafür schon im Reinen mit sich selbst und vor allem initiativ sein, denn sie gibt das Tempo und die Intensität vor und der Mann kann sie in aller Ruhe dabei beobachten. Das muss man auch mögen!

So geht’s: Der Mann legt sich hin, die Frau kniet (Variante 2: oder hockt) sich über ihn und führt den Penis ein. Dann kann sie sich auf und ab, vor und zurück bewegen. Für eine anders ausgerichtete Stimulation innerhalb der Vagina oder um nicht die ganze Zeit ins Gesicht geschaut zu bekommen, kann sich die Frau auch umdrehen (Variante 3: auch die verirrte Reiterin genannt), dasselbe umgekehrt machen und dem Mann ihr Hinterteil und ihren Rücken zeigen. Darüber wird sich wohl kaum einer beschweren. Dabei kann sie sich auch gut an seinen Oberschenkeln oder Knien festhalten oder abstoßen, falls die Beinkraft versagt. Außerdem hat sie sehr einfachen Zugang zu seinen Hoden, um diese währenddessen zu streicheln. Oder sie streichelt sich selbst, denn dafür ist auch genug Platz.
Bei dieser Stellung sollte man etwas vorsichtig sein, da der Penis in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, falls er irgendwo aneckt und die Frau sich dabei zu heftig bewegt!

Demnächst genauer unter die Lupe genommen: die Lotusblume und die Löffelchenstellung!

Glossar: Schubkarren-Stellung
Die Frau stützt sich nach vorne auf den Armen ab und hebt ein oder beide Beine nach hinten an. Der Mann kniet oder steht hinter ihr und dringt von hinten in sie ein. Er kann das/die Bein(e) dabei oben halten. Ausdauer, v.a. der Frau vorausgesetzt!

Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich hauptsächlich auf Hetero-Sex. Grundsätzlich ist es möglich, diese Stellungen mit einem Strap On-Dildo zu vollziehen, wäre also z.B. für ein lesbisches Paar auch nicht ganz uninteressant. Dem Homo-Sex werde ich mich in einem anderen Post auch noch widmen, immer mit der Ruhe!

Noch etwas hinzuzufügen? Eigene Erfahrungen oder eine Stellung, über die du gerne mehr wüsstest? Schreib einen Kommentar oder eine Mail.


Grafiken: © Manolo Polvoron